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Zwei Jahre Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Fazit zu zwei Jahren Fachkräfteeinwanderungsgesetz

 Ein Kommentar von Christian Sassin

 

Die Tagesschau zieht zwei Jahre nach Einführung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes in einem aktuellen Artikel vom 15. August nun ein ehrliches Fazit. Dabei kommt sie zum selben Ergebnis, von dem auch alle anderen Beteiligten der Branche sprechen: Der Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen kann mit der aktuellen Behördenstruktur und diesem massiven Verwaltungsaufwand schlichtweg nicht bewältigt werden. Bundesminister Hubertus Heil gelobt eine kurzfristige Nachbesserung und räumt ein, dass das aktuelle Fachkräfteeinwanderungsgesetz „noch viel zu bürokratisch“ sei, um das wirtschaftliche Niveau zukünftig halten zu können. Denn dafür benötigt es rund 400.000 Fachkräfte mehr. Pro Jahr!

Ein Kommentar von Christian Sassin, Gründer und Geschäftsführer der Educaro GmbH, der ersten internationalen Bildungseinrichtung für ethische Erwerbsmigration im Gesundheitswesen, die seit 2014 Pflegefachkräfte aus Drittstaaten anwirbt und dafür eigene Sprach- und Kulturschulen in den Herkunftsländern errichtet hat:

„Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen kann nur durch einen global zugänglichen Arbeitsmarkt bewältigt werden, dies ist längst klar. Es gibt weltweit so viele hochqualifizierte Fachkräfte, die sehr gerne in Deutschland arbeiten möchten, wovon unser System langfristig nur profitieren wird. Leider ist das nationale Anerkennungssystem mit seiner behördlichen Struktur ein stetiges administratives Hindernis, trotz des beschleunigten Fachkräfteverfahrens oder ähnlichen Maßnahmen.“

Ministeriale Umsetzung vs. politische Intention

Er ergänzt: „Es besteht ein großes Ungleichgewicht zwischen der politischen Intention und der ministerialen Umsetzung. Der deutsche Verwaltungsapparat behindert die Beseitigung des Pflegenotstands eher als umgekehrt. Wir hatten zum Beispiel den Fall, dass zwei Ehepartner aus unserem internationalen Pflegeprogramm mit dem gleichen Universitätsabschluss, der gleichen Berufserfahrung und dem gleichen deutschen Arbeitsvertrag unterschiedliche Bescheide von derselben ausstellenden Behörde bekommen haben, da ihre Anträge von zwei unterschiedlichen Sachbearbeitern beantwortet wurden.

Dies führte zu einer mehrmonatigen Verzögerung, welche bei der sehnsüchtig wartenden Klinik und den Pflegekräften massives Unverständnis und signifikante Kosten hervorgerufen hat. Es muss sich grundlegend etwas ändern, denn so wie es sich gerade darstellt, gehen die wirklich guten Pflegekräfte lieber in besser organisierte Länder. > Warum möchte Deutschland mich denn nicht? Ich dachte, ich werde gebraucht? <, war die Frage einer kolumbianischen, erfahrenen Pflegefachkraft, auf die es leider einfach keine zufriedenstellende Antwort gibt."

In der Realität weit entfernt von einer zentralen Anerkennungsstelle

"Die zentrale Anerkennungsstelle ist aktuell in aller Munde, aber aus dem Tagesgeschäft heraus kann ich sagen, davon sind wir leider sehr weit entfernt. So wundert es nicht, dass qualifizierte Fachkräfte bevorzugt in andere Länder gehen. England wickelt den administrativen Aufwand innerhalb weniger Wochen standardisiert ab, dann können die Fachkräfte mit einem klaren Fahrplan einreisen und ihre Arbeit aufnehmen. Verglichen damit, ist die Situation in Deutschland einfach peinlich. Was wir brauchen, sind echte Reformen zur Entlastung des Verwaltungsapparats und bindende Gesetzesgrundlagen, die die Fachkräfte wirklich vor unethischer Anwerbung schützen, statt Gütesiegeln ohne gesetzliche Vorgaben.“