Zwei Jahre Fachkräfteeinwanderungsgesetz – Ein Kommentar
Die Tagesschau zieht zwei Jahre nach Einführung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes in…
Vom 24. bis 26. März 2026 waren Christian Sassin und Simon Kellermann für educaro auf der LogiMAT in Stuttgart. Für uns war die Messe vor allem kein reiner Vertriebseinsatz, sondern eine sehr direkte Möglichkeit, Stimmungen, Sorgen und Prioritäten aus der Branche aufzunehmen.
In vielen Gesprächen mit Unternehmen aus Logistik, Lager, Fuhrpark und gewerblich-technischen Bereichen hat sich ein Bild verdichtet: Das Thema Personal bleibt drängend, auch wenn die wirtschaftliche Lage viele Unternehmen gleichzeitig ausbremst.
Genau dieser Widerspruch war auf der Messe ständig präsent:
· Personal wird benötigt, um Leistungsfähigkeit zu sichern.
· Gleichzeitig herrschen Kostendruck, Zurückhaltung und Unsicherheit.
· Viele Unternehmen können ihren künftigen Bedarf nur schwer seriös planen.
1. Internationale Personalgewinnung ist für viele noch Neuland
Viele Gesprächspartner sehen internationale Rekrutierung inzwischen nicht mehr als Ausnahme, sondern als ernsthafte Option für die nächsten Jahre. Gleichzeitig fehlt oft ein klares Bild davon, wie ein sauberer Prozess überhaupt aussieht.
Gerade im Mittelstand wird das Thema häufig erst dann angegangen, wenn der Druck bereits hoch ist. Dann fehlt aber oft die Zeit, verschiedene Modelle sauber zu prüfen.
2. Die wirtschaftliche Lage erschwert jede Personalentscheidung
Ein wichtiges Learning aus Stuttgart war nicht nur der Personalbedarf, sondern die Unsicherheit dahinter. Viele Unternehmen befinden sich in einer Phase von Restrukturierung, Konsolidierung oder vorsichtiger Marktbeobachtung.
Das führt zu einer schwierigen Lage: Eigentlich müsste Personal strategisch aufgebaut werden, gleichzeitig scheuen viele Betriebe langfristige Entscheidungen, weil sie nicht sicher wissen, wie sich ihr Geschäft in den nächsten Monaten entwickelt.
3. Planbarkeit wird zum eigentlichen Engpass
In mehreren Gesprächen wurde deutlich, dass nicht nur offene Stellen das Problem sind, sondern die fehlende Planbarkeit. Einige Unternehmer berichteten sogar, dass in ihren Betrieben in den nächsten drei Jahren ein erheblicher Teil der Belegschaft in Rente gehen wird, teilweise war von bis zu 30 % die Rede.
Ob diese Größenordnung überall gilt, lässt sich daraus nicht ableiten. Als Signal aus der Praxis ist es aber relevant: Viele Unternehmen wissen, dass der personelle Druck steigen wird, können aber nur begrenzt geordnet darauf reagieren.
Ein Thema kam in Gesprächen auffallend oft zurück: Der Markt sucht häufig nach der schnellen und günstigen Lösung, ist mit den Ergebnissen aber nicht immer zufrieden.
Gerade in der Logistik wurde mehrfach angesprochen, dass vermeintlich einfache Modelle zwar kurzfristig Personal bringen können, aber nicht automatisch die gewünschte Qualität liefern. Wo Mitarbeitende im direkten Kontakt mit Kunden,
Disposition, Lager oder Werkstatt stehen, werden Defizite bei Sprache, Vorbereitung und Passung schnell spürbar.
Das war für uns eines der wichtigsten Learnings der Messe:
Nicht die reine Verfügbarkeit entscheidet, sondern die Stabilität der Lösung nach Arbeitsbeginn.
Warum Sprache und Vorbereitung in der Logistik stärker zählen als oft angenommen
In vielen Branchen lässt sich ein holpriger Start eine Zeit lang auffangen. In der Logistik ist das oft schwieriger. Dort greifen Prozesse, Termine, Sicherheit, Kundenkontakt und Teamarbeit eng ineinander.
Deshalb wurde auf der Messe immer wieder deutlich, wie wichtig folgende Punkte sind:
· ausreichendes Deutschniveau
· realistische Erwartungshaltung auf beiden Seiten
· gute Vorbereitung vor der Einreise
· klare Einbindung nach Ankunft
· möglichst geringe Reibung im Tagesgeschäft
Gerade familiengeführte und mittelständische Unternehmen haben diesen Punkt sehr klar benannt. Wer seine Marktposition über Verlässlichkeit und Kundenbeziehungen hält, kann sich personelle Instabilität nur begrenzt leisten.
Die Messe war stark geprägt von Lösungen aus den Bereichen Software, Robotik, Lagerautomation und Assistenzsysteme. Das war erwartbar und gleichzeitig aufschlussreich.
Der Eindruck aus vielen Gesprächen: Unternehmen denken nicht mehr in Entweder-oder-Logiken. Sie suchen nicht nur Personal oder nur Technik, sondern eine Kombination aus:
· besseren Prozessen
· mehr Automatisierung
· gezielter Entlastung
· und dort, wo nötig, strategischer Personalgewinnung
Für viele Firmen wird die Frage also nicht sein, ob Automatisierung oder Personal der richtige Weg ist, sondern wie beides sinnvoll zusammenspielt.
Im Rahmen der Messe konnten wir außerdem der DVZ – Deutsche Verkehrs-Zeitung ein Interview geben. Dabei ging es um die aktuellen Entwicklungen im Markt und um erste Pilotprojekte, in denen wir gemeinsam mit Logistikunternehmen an strukturierten Lösungen für internationale Personalgewinnung arbeiten.
Auch dort wurde deutlich: Das Interesse an belastbaren Modellen ist da, gerade im mittelständischen Umfeld. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Partnern, die das Thema nicht nur operativ, sondern auch prozessual sauber begleiten.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus Stuttgart lautet: Der Personalmarkt in Logistik und Gewerbe wird sich nicht durch spontane Einzelmaßnahmen entspannen.
Unternehmen, die heute schon merken, dass Fachkräfte, Fahrer oder gewerbliche Mitarbeitende schwerer planbar werden, sollten das Thema früher strukturieren. Nicht hektisch, aber systematisch.
Dazu gehört auch, internationale Rekrutierung nicht als Notlösung zu sehen, sondern als Projekt, das nur dann funktioniert, wenn Sprache, Auswahl, Vorbereitung und Integration zusammenpassen.
· Prüfe, welche Funktionen in deinem Betrieb in den nächsten 12 bis 36 Monaten kritisch werden.
· Trenne kurzfristige Vakanzen von strukturellem Personalbedarf.
· Bewerte nicht nur Rekrutierungskosten, sondern auch die Kosten von Fehlbesetzungen und
Nachbesetzungen.
· Definiere, welches Sprachniveau in den jeweiligen Rollen wirklich nötig ist.
· Plane internationale Rekrutierung mit realistischem Vorlauf.
· Denke Personalgewinnung immer zusammen mit Onboarding und Bindung.
· Prüfe, ob deine aktuelle Personalstrategie eher reaktiv oder planbar aufgestellt ist.
· Achte bei neuen Modellen nicht nur auf Geschwindigkeit, sondern auf Qualität und Verbleib.
Wer sich zu Möglichkeiten in der Anwerbung und Integration internationaler Talente im Bereich Logistik und Gewerbe austauschen möchte, kann sich direkt an Simon Kellermann wenden: simon.kellermann@educaro.de
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